Wett­be­wer­be sind Aus­druck ei­ner frei­en und chan­cen­g­lei­chen Ge­sell­schaft. Ihr of­fe­ner Zu­gang stellt ei­nen recht­lich ge­si­cher­ten Wert und ei­nen wich­ti­gen Bei­trag zur Bau­kul­tur in un­se­rem Land dar. Doch die Ver­ga­be­ver­fah­ren öf­f­ent­li­cher Auf­trag­ge­ber für Pla­nungs­leis­tun­gen in den Be­rei­chen Ar­chi­tek­tur, Land­schafts­ar­chi­tek­tur, In­nen­ar­chi­tek­tur und Stadt­pla­nung sind durch ei­ne sys­te­ma­ti­sche Aus­g­ren­zung der gro­ßen Mehr­heit der in Deut­sch­land tä­ti­gen Bür­os ge­kenn­zeich­net. Auf Grund re­s­trik­ti­ver Zu­gangs­be­schrän­kun­gen be­steht für die meis­ten Bür­os kei­ne Mög­lich­keit mehr, an die­sen Ver­fah­ren teil­zu­neh­men - fast der kom­p­let­te Be­rufs­stand bleibt da­mit von öf­f­ent­li­chen Bau­auf­ga­ben aus­ge­sch­los­sen.

Dies führt zu ei­ner enor­men Ein­schrän­kung der Di­enst­leis­tungs- und Wett­be­werbs­f­rei­heit, ver­stößt ge­gen we­sent­li­che Grund­sät­ze der VOF und RPW so­wie ge­gen das Ge­setz zur Ver­mei­dung von Wett­be­werbs­be­schrän­kun­gen (GWB).

Aus die­sem Grund hat die ,wett­be­werbsin­i­tia­ti­ve‘ An­fang Ju­ni 2014 ei­ne Be­schwer­de bei der Eu­ro­päi­schen Kom­mis­si­on bei der An­walts­kanz­lei „Fresh­fields Bruck­haus De­rin­ger“ in Auf­trag ge­ge­ben, die im Fe­bruar 2015 in Brüs­sel ein­ge­reicht wur­de.

Die Gel­der da­für wur­den über ei­ne Spen­den­ak­ti­on, an der sich ei­ne Viel­zahl Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen be­tei­ligt ha­ben, ge­sam­melt. Die­se Un­ter­stüt­zung zeigt deut­lich, dass ein Groß­teil des Be­rufs­stan­des drin­gen­den Hand­lungs­be­darf sieht.

Dar­über hin­aus wur­de die Kanz­lei "Fresh­fields Bruck­haus De­rin­ger" mit der Er­stel­lung ei­nes Rechts­gu­t­ach­tens zur deut­schen Ver­ga­be­pra­xis mit kon­k­re­ten Hand­lungs­emp­feh­lun­gen für die Um­set­zung der EU-Richt­li­nie 2014/24EU be­auf­tragt. Bei­de Pa­pie­re ste­hen auf die­ser Sei­te zum Down­load be­reit.

Prof. Markus Löffler schrieb

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,
Ich gehöre zu einer Generation, die noch an einem äusserst lebendigen und offenen Wettbewerbsverfahren teilnehmen durfte. Der schrittweise Abbau dieses offenen Systems, das Teilhabe und Chancengleichheit für alle Architektinnen und Architekten ermöglichte, entspricht weder der Idee einer freiheitlichen Gesellschaft, noch einer Wirtschaftsordnung mit einem offenen Markt. Viele dieser heutigen begrenzten Verfahren sind intransparent und schliessen die meisten Architekturbüros aus. Ausserdem wird den Berufsanfängern die Chance genommen sich über Wettbewerbe zu entwickeln und zu profilieren. Es geht aber nicht nur um die jungen Büros. Es geht grundsätzlich um eine Kultur des Wettbewerbs, der Transparenz, der Offenheit und der Teilnahme für Alle. Es geht um Grundsätze, die in einer demokratischen Gesellschaft selbstverständlich sein sollten.
Prof. Markus Löffler

Robert Niess schrieb

Ich habe mein Büro vor über 20 Jahren durch einen offenen Wettbewerb gründen dürfen. Ich denke das ist ein hohes Gut der unbedingt für jüngere Architekten aufgerecht zu halten ist.
Aus diesem Grunde bin ich seit mehr als sechs Jahren aktives Mitglied im Landes Wettbewerbsausschuss und setze mich für offene Wettbewerbe ein.
Leider merke ich schwinde Interesse unter meinen Kollegen und sogar unter einigen in der Architektenkammer selbst.
Ich kann eine solche Initiative nur begrüssen!
Prof. Robert Niess

Arthur Honegger schrieb

Sehr geehrte Damen und Herren,
auch ich kenne den von Ihnen festgestellten Sachverhalt zur Genüge und bin sehr erfreut über Ihre Initiative. Betrachtet man jedoch bundesweit alle Ausschreibungen, beschränken sich die von Ihnen beschriebenen Zulassungsbeschränkungen nicht nur auf Berlin (und Brandenburg), hier ist es nur besonders schlimm, sondern kommen im Grundsatz in allen Bundesländern zur Anwendung. Offene Wettbewerbe so scheint es, werden nur mehr in Österreich und der Schweiz ausgeschrieben.

Ich hoffe, Ihre Initiative ist ein erster Anstoß zur grundlegenden Änderung der herrschenden Ausschreibungskultur in Deutschland.

Vor über einem Jahr habe ich bei der zuständigen Stelle der Architektenkammer Berlin (Herrn Kever) dreimal diesbezüglich um Rückruf gebeten. Leider scheint damals das Interesse dafür in der Architektenkammer Berlin noch nicht sehr groß gewesen zu sein.

Noch etwas Polemik zum Schluss

Unabhängig von allen dargestellten rechtlichen Gesichtspunkten müsste sich auf Grund dieser Auswahlkriterien die gesamte Architektenschaft in ihrer "Berufsehre" angegriffen fühlen. Denn einerseits wird den Architekten vom Staat in einem Diplom bescheinigt, dass sie in der Lage sind (fast) alle Bauaufgaben zu
bewältigen und andererseits traut der selbe Staat es den Architekten nicht zu, ein Bauvorhaben zu planen und durchzuführen ohne vorher schon drei bis vier mal "geübt" zu haben (Referenzprojekte). Wie wenn jemand mit 20 Jahren Berufserfahrung nicht in der Lage wäre z.B. einen Kindergarten oder eine Sporthalle, u.s.w. zu bauen.

Mit freundlichen Grüßen
Dipl.- Ing. Arch. Arthur Honegger

Andreas Bunk, Landschaftsarchitekt, Hamburg schrieb

Sehr geehrte Damen und Herren,

das ist nicht nur ein Berliner Problem: Auch in Hamburg und Umgebung sieht es nicht wesentlich anders aus und meines Wissens gibt es im AK junger Architekten in der hiesigen Kammer und im BDA eine ähnliche Initiative,

In deutscher Gründlichkeit ist EU-Vergaberecht so übertrieben umgesetzt worden, dass - wenn es nicht noch schnell geändert wird - mittelfristig nur noch große Einheiten - welche immer alle geforderten Nachweise parat haben - oder kleine Einheiten - die unterhalb der Schwellenwerte kümmern - überleben können. Die mittlere Größe wird verschwinden.

Viel Problematischer ist aber,
1) dass wer sich beispielsweise bislang auf Krankenhäuser spezialisiert hat, dieses auch immerfort tun muss, weil er ja für andere Projekte keine Referenzen hat. Und wer Schulen plant, auch dieses bis zum "Jüngsten Gericht" machen muss. Es wird keinen Austausch zwischen den unterschiedlichen Bauaufgaben mehr geben und wenn es in einem Bereich einmal kriseln sollte, kann ein Büro nicht in andere Bereiche ausweichen. Mal abgesehen von der sehr eingeschränkten beruflichen Praxis der Mitarbeiter in solch spezialisierten Büros

2) Der Aufwand für all diese VOF-Verfahren erheblich ist und ab einer gewissen Größe eine ganze Arbeitskraft beschäftigt

3) Sehr viele VOF-Verfahren nicht formal korrekt durchgeführt werden und für gute Juristen angreifbar sind. Dieses führt zu einer erheblichen Verunsicherung bei den Auslobern / Auftraggebern.

Viel Erfolg

A. Bunk

C. Voigtländer schrieb

Ich würde in der (seit gut 15 Jahren) überfälligen Forderung noch einen Schritt weiter gehen und - wie z.B. in Frankreich usus, den Wettbewerb für alle öffnen, um dann eine Anzahl x auszuwählen und diesen die Wettbewerbsbearbeitung adäquat zu erwarteter Qualität und Leistungsumfang zu honorieren.

1.500 € brutto für eine Universitätserweiterung sind nicht adäquat. Hier muß man zurückfragen, ob der Auslober die Wettbewerbsbearbeitung entsprechend seiner Honorierung nur durch einen Studenten wünscht. Warum soll ich als Büroinhaber/in finanziell bei einem dt. Wettbewerb drauflegen? Ich sehe das als Respektlosigkeit gegenüber meiner Qualifikation und Leistung - seitens der eigenen (dt.) Branche.

Uwe Völcker schrieb

Jeder Wettbewerb, der nicht frei zugänglich für alle ist, ist ein Instrument der Wettbewerbsvermeidung. Schlecht vorbereitet, mit oft dürftigen Arbeitsunterlagen, werden den Teilnehmern neben "Referenzen" außerdem riesige Arbeitsaufgaben gestellt, die bei gewissenhafter Abarbeitung Bürokosten in oft 5stelliger Höhe verursachen. Das mit der Aussicht, unter hunderten Teilnehmern nach einer oberflächlichen Modellbesichtigung im ersten Durchgang
rauszufliegen.
Dabei käme es doch meist auf eine wirkliche Idee an, und weniger um Erbsenzählerei! Ich wäre für solcherart schmale Ideenfindungs-Wettbewerbe!

Albrecht Weber schrieb

100% richtig! Ich begrüße diese Initiative sehr! Änderung unabdingbar erforderlich! Sofort!

Das muss sich ändern; aus all den hier schon erwähnten Gründen. Es ist kein echter Wettbewerb gegeben; ich würde sogar von Verzerrung sprechen; fast schon gewollt!

Manchmal erscheint es wir ein Fußballspiel (2x11) und jeder ist auch mal Schiedsrichter (Juror). Weg mit den Mist!

Ich hatte seinerzeit zu diesem Themenkomplex – Wettbewerbsverfahren, etc. - Kontakt mit Competitiononline dann mit der Architektenkammer. Ergebnis keins.

Im Grunde ist das ein Fall fürs den Gerichtshof, denn das geltende Gleichstellungsgesetz ist hier m.M. erheblich verletzt.

Ein weiterer Punkt: wir sind verpflichtet auf der Grundlage der HOAI anzubieten, Kollegen aus Belgien und Frankreich müssen das nicht; können also unterbieten.

Das ist also Chancengleichheit 2011 in der BR und in der EU für Planer aus der BR.

Thomas Brewitt Architekt BDA schrieb

Die Initiative ist gut und notwendig. Ich kann mich dem als Gründer eines Büros (vor 5 Jahren) nur anschließen.
Ein weiteres Problem ist aber die finanzielle (Selbst-)Ausbeutung der Büros in Wettbewerbsverfahren, die gerade für kleine und junge Büros kaum zu verantworten ist und regelmäßig die Gewinne ganzer Projekte auffrisst.
Hier sollten statt der Preisgelder lieber Bearbeitungshonorare gezahlt werden, die insbesondere jungen Büros eine wirtschaftliche Bearbeitung ermöglichen.
Ein weiteres Übel ist die Aufblähung der Leistungen: Modell, Visualisierungen, Kostenermittlungen etc. Hier abspecken!
Wir machen uns als Architekten an dieser Stelle selbst viel zu billig.

Arvid Stoeppler Architekt BDA schrieb

Ich muss Ihnen leider sagen, dass das bei uns in Hamburg keinen Deut besser aussieht, und schon seit Jahren, ebenso in der Regel in Schleswig-Holstein. Ich möchte mich deshalb inhaltlich mit Blick auf unsere Region anschließen und hoffe, dass Ihre Initiative mehr bewirkt, als alle bisherigen Einzelaktionen der hiesigen KollegInnen.

An die Öffentlichkeit und an die Fachmedien ist gut, aber meiner Meinung muss auch das Bundeskartellamt eingeschaltet werden.

Peter Donn schrieb

Eine sehr lobenswerte und dringend überfällige Initiative!
Vollste Unterstützung! Das Problem ist kein Berliner Problem. Es betrifft ganz Deutschland, je nach Bundesland unterschiedlich stark und in leicht variierender Form.
Es kommen hier vermutlich mehrere Faktoren überlagernd zusammen:

1. Die Zahl der Wettbewerbe insgesamt ist geringer als vor - sagen wir - 30 Jahren. Das ist eine gefühlsmäßige Behauptung, ich habe keine Zahlen. Aber Gespräche mit erfahrenen Kollegen ergeben das immer wieder.

2. Die Zahl der offenen Hochbauwettbewerbe in Deutschland ist immer geringer geworden und hat sich schließlich der Null angenähert.

3. Folge: Die wenigen offenen Verfahren, die es noch gab/gibt, sind überlaufen, die Jurys und Auslober mit mehreren hundert Teilnehmern überfordert. Verständlich. Aber -

4. Weitere Folge: Durch begrenzte VOF-Verfahren mit oder ohne Planungswettbewerb konnte durch die bekannten Restriktionen erreicht werden, dass das Teilnehmerfeld einerseits \"angenehm\" schrumpft und andererseits (toll für die Auslober) immer hochkarätigere Büros mit dabei sind. Wenn heute ein Wettbewerb für einen Kindergarten in der schwäbischen Provinz ausgelobt wird, nimmt die komplette bundesdeutsche Elite plus ein paar gesetzte (etablierte) Regionalgrößen daran teil. Junge und kleine Büros bekommen 1-2 Plätze von 25. Sehr lustig.

Fazit: Die momentan übliche Regelung ist sehr komfortabel für die Bauherrn, da die Qualität der Arbeiten im Vergleich zu einem eher regionalen Wettbewerb wie früher sehr hoch ist. Folge davon ist aber, dass die Baukultur in der Fläche verschwindet und nur noch sehr große Büros noch an Wettbewerben teilnehmen können. Anders ausgedrückt - auf diese Weise werden junge, kleinere und regionale Büros erstickt und die etablierten Großen immer weiter gestärkt.
Man züchtet sich also Planungsfabriken mit -zig Mitarbeitern heran. Schwerfällige Unternehmen, die nicht mehr regional verortet sein können, dafür stets zum Reisen gezwungen und mit weiterem Wachstumsdruck.
Nachhaltig ist das nicht. Vor allem ist an diesen Unternehmen aber schlimm, dass sie durch den begrenzten Wettbewerb keinem besonders großen Leistungsdruck mehr ausgesetzt sind und die Qualität der Arbeiten rapide absinkt. Wer einmal in der Wettbewerbsschiene fährt, kann sich relativ sicher sein, dass er immer mal wieder etwas gewinnt, die Konkurrenz ist überschaubar.
Auch schlimm - ich beobachte es immer wieder - ist, dass vielfach an diesen nicht offenen Wettbewerben nicht mehr oder in extrem schlechter Qualität teilgenommen wird, weil im Büro zu viele Wettbewerbszulassungen aufliegen. Das macht mich regelmäßig wütend. Die Teilnahmemöglichkeit verfällt, das Feld wird für die Übriggebliebenen noch übersichtlicher.
Und die jungen/kleinen Büros gehen "noch leerer" aus. Eine absolute Frechheit!
All diese Punkte führen letztendlich für den Auslober zu Qualitätsverlust bei den eingegangenen Arbeiten und für die Gesellschaft zu einem noch größeren Verlust an der ohnehin schwer angeschlagenen Baukultur.

Behauptung: Das zentrale Problem der Architektur in Deutschland ist ihre geringe Wertschätzung. Kosten, technische und energetische Aspekte, Funktionalität sind Werte, die in unserem Lande höher eingeschätzt werden als ein gut gestaltetes Gebäude. Daher gibt es insgesamt immer weniger Verfahren, und der aufzuteilende Kuchen wird kleiner.
Das ist Kulturlosigkeit, in gewisser Weise eine Verrohung.
Aber schuld daran sind _auch_ die Architekten selbst. Wer sich zu billig verkauft, gilt nichts. Arroganz ist der Feind, aber ein gesunder Stolz auf das eigene professionelle Können ist lebensnotwendig. Das verstehen viele Kollegen nicht.
Es reicht also nicht, die Bewerbungskriterien zu lockern. Es müssen vor allem mehr Wettbewerbe ausgelobt werden (Anreize schaffen!) und je Wettbewerb mehr Teilnehmer zugelassen werden (z.B. könnte man die Anzahl der Teilnehmer ähnlich wie das Preisgeld an die veranschlagte Bausumme koppeln).
Wer teilnehmen will, muss das selbst entscheiden. Ob man sich kaputt macht, muss man selbst wissen, das gilt immer und hat nichts mit Wettbewerben zu tun.

Generelle Bearbeitungshonorare halte ich für Unfug, da das zwangsweise negative Konsequenzen auf die Qualität der abgegebenen Arbeiten hätte.

Aber Ärmel hoch: Wie gehts weiter? Ich würde mich gern an einem solchen Brief beteiligen. Gleichgesinnte finden. Wir brauchen solche Briefe in allen Bundesländern! Ich biete mein Engagement besonders für Baden-Württemberg an (da wohne und arbeite ich). Gleichgesinnte, schreibt mir - plasmographKLAMMERAFFEgmxPUNKTde.

mark schünemann schrieb

gute ideen können auch von "kleinen" büros kommen.
wie soll denn der (unabhängige) nachwuchs gefördert und entwickelt werden?
diese festlegungen sind das gegenteil von einer in allen anderen bereichen geforderten nachhaltigkeit, es ist der pure protektionismus
und eine gewisse bequemlichkeit und verantwortungslosigkeit - obwohl mit der sogenannten auswahl renommierter büros das gegenteil behauptet wird -der entscheider.
verantwortungslosigkeit einer notwendigen, innovativen zukunft gegenüber,
denn die gibt es nur durch vielfalt...

Christophe DM BARLIEB schrieb

While I live in Berlin, I teach and operate my design studio worldwide. The architectural legal frameworks and education of the architect at (most) universities in Europe are simply outdated. If the system were revised and reflect contemporary issues I would register as an architect in Berlin and would immediately sign the petition with the ammendment that: "competitions be open to all registered architects" (worldwide) and that any "successful participation in a competition be properly compensated by the client" (there is no reason why architects should be giving away their time and expertise for free, most often for "pure fantasies" or "speculations").
Cordially,
Christophe DM BARLIEB
SBA Architect

prof.wulf schmiedeknecht architekt &stadtplaner bda berlin,bochum,ffm schrieb

die andere seite:kammern bundesweit,und der bda,der im wesentlichen das wettbewerbswesen aus den kammern heraus organisiert... werden die initiative beiseite legen und ja ja ja sagen...
aber bewegen wird sich niemand... im gegenteil !!! denn die fleischtoepfe sind seit 2000 ver-
teilt... und die, die sie besitzen werden sie mit allen ihren mitteln verteidigen. dabei sind lehrende
professoren, die ihre bueros mit dem prekariat besetzen und ihren studenten oder absolventen
beseeltheit predigen... hauptsache ihr laden brummt in einer wunderbaren beziehungskiste!

solange juristisch gegen diesen filz nicht vorgegangen werden kann wird niemand auf seinen
" bestandsschutz" verzichten.
so wird alles beim alten bleiben!
wie sagte altbundeskanzler kohl? "die karavane zieht weiter"
und glauben sie nicht, dass bei den " fleischtopfbesitzern " ausser einer doppelzuengigen schein-
moral ..". jja sie haben ja so recht... aber" erst kommt das fressen und dann die moral"
eine einflussnahmen in politik und justiz erfolgt... man hat sich ja so bequem eingerichtet.
wie koennte man dieser eingefahrenen kiste eine explodition verpassen?
da muessen juristen dran, die ahnung von den gesetzen haben und diese in entsprechenden
vorlagen einklagen denn dass die augenblickliche wettbewerbsszene eine diskriminierung
der mehrzahl der architekten darstellt ist genuegend bejammert!
die untaetigkeit der kammern in dieser angelegenheit ist sache ihrer mitglieder....
wenn eine kammerwahl in zb in nrw stattfindet, beteiligt sich ein drittel der mitglieder daran.
und die, die waehlen sind in der mehrzahl" fleischtopf " verteidiger ....
die hoffnung stirbt zuletzt... aber von hoffnung aendert sich nicht das geschaeft !
ohne juristische angriffe vor den entsprechenden gerichten bleibt die initiative im
luftleeren raum ..... Weiter so????????

das musste ich mal sagen ... wulf schmiedeknecht.



Andreas Rauterberg schrieb

Bei allem Verständnis für die im offenen Brief genannten Missstände und die daraus abgeleiteten Forderungen (Die Klagen über aufwändige und unsinnige Auswahlverfahren sind definitiv begründet): Mir fehlt der nüchterne und analytische Blick darauf, was denn die Motivation der Auslober hierfür sein könnte und wie sich die (europa-)rechtlichen Grundlagen in den letzten Jahrzehnten tatsächlich entwickelt haben. Ein Wettbewerb ist bei aller Leidenschaft der Teilnehmer immer noch ein Verfahren in der Verantwortung der Auslober. Einen Anspruch auf Beteiligung an Wettbewerben gibt es nicht und wird es nie geben, es gibt ja noch nicht einmal eine Vorschrift, dass überhaupt Wettbewerbe auszuloben sind! Es bleibt einzig der Anspruch – und das auch nur bei öffentlichen Vorhaben über dem VOF-Schwellenwert – sich in einem fairen Auswahlverfahren bewerben zu dürfen. Weil das Ziel eines solchen Auswahlverfahrens wie auch des Wettbewerbs selbst ist, den bzw. die besten zu finden, sind alle Rufe nach Quotenregelungen absurd. Und die Fokussierung der Argumente auf Kreativität, Innovation und Überraschungen im Wettbewerb entspringen einem feuilletonistischen Blick auf den Wettbewerb, haben aber mit den Interessen der Auslober, eine funktional, wirtschaftlich und ästhetisch passende Lösung zu finden, herzlich wenig zu tun. Vor diesem Hintergrund ist zum Beispiel unklar, ob und wie wir den offenen Wettbewerb und den damit verbundenen organisatorischen und finanziellen Aufwand schmackhaft machen können. Selbst die Erhöhung der Teilnehmerzahlen auf einen ordentlichen zweistelligen Wert ist da schon ein Ziel, um das gerungen werden muss. Es geht also um die Frage, wie die Ausloberseite beraten und motiviert werden kann, und nicht um die Erfüllung von Ansprüchen und Forderungen der Teilnehmerseite.

Deutlich erfolgversprechender als der Ruf nach dem offenen Wettbewerb erscheint mir die Beschäftigung mit den Zugangsvoraussetzungen bei nichtoffenen Wettbewerben. In dem Moment, wo diese so niedrig wie möglich gehängt werden und dann unmittelbar in ein Losverfahren münden, ist das Grundsatzproblem vielleicht nicht komplett gelöst aber sicherlich leichter zu ertragen. Auswahlverfahren sind nach meiner Beobachtung schon dann besser vermittelbar, wenn sich die Zulassungskriterien nachvollziehbar auf die Bauaufgabe beziehen (aber vom Niveau her darunter liegen). Definieren also die Auslober, welche Referenz sie von einem Bewerber erwarten, und liegt diese Referenz – und hier reicht auch nur diese eine – vor, ist ein Büro grundsätzlich qualifiziert. Drei Kindergärten gebaut zu haben ist dann nicht besser, als „nur“ einen vorweisen zu können. Den Rest der Auswahl klärt das Los und sorgt für die Streuung zwischen Alten und Jungen, Großen und Kleinen. Hierfür braucht man auch keine Auswahlgremien. Die architektonische Qualität soll schließlich bei den Vorschlägen für die Aufgabe und nicht im Rückblick auf alte Zeiten geprüft werden. Nebenbei spart man sich alle Extra-Lostöpfe und Sonderregeln für Minderheiten. Diese sind doch ohnehin nur das willkommene Alibi, um auf der anderen Seite die Zugangsvoraussetzungen für alle anderen noch höher schrauben zu können. Was im Fall der Prämierung dieser Minderheiten hinsichtlich der Beauftragung passiert, kann man sich derweil leicht ausmalen. Ganz zu schweigen von der Frage, wie es mit der Chancengleichheit aus Sicht der mittelalten, mittelgroßen, mitteletablierten Büros aussieht, die zwischen allen Lostöpfen sitzen.

Das Wettbewerbswesen wird nie wieder so werden, wie es mal in den vermeintlich guten 80er Jahren war, aber es ließe sich einiges ändern, wenn die Architektenschaft gegenüber den Bauherren mit einheitlicher Zunge, realistischem Sinn für das Machbare, für die Befindlichkeiten und berechtigten Anliegen der Auslober und ohne Verlogenheit agieren würde. Dazu gehört es auch, konsequent Nein zu sagen, wenn ein unmoralisches Angebot auf dem Tisch liegt, das mit all den hehren Zielen des Wettbewerbswesens überhaupt nichts zu tun hat. Der viel größere Skandal als die Verengung des geregelten Wettbewerbs sind die Blüten der Mehrfachbeauftragungen, Workshops und Konkurrenzen, die nur funktionieren, weil sich Teilnehmer hierfür finden, die in Kauf nehmen, dass mit jeder Teilnahme die Chance auf Durchsetzung fairer Bedingungen in den geregelten Verfahren sinkt.

Architekt Dipl.-Ing. Andreas Rauterberg

prof . wulf schmiedeknecht in schmiedeknecht architekten berlin schrieb

den kommentar von andreas rauterberg moechte ich etwas einschraenken.
sobald anlagen enntwickelt werden die mit steuergeldern finanziert werden
besteht m.e. ein anspruch auf den offenen wettbewerb.
das muesste die auslober verpflichten, architekten, die per gesetz sich nur
dann architekten nennen duerfen, wenn sie einer kammer angehoeren und
damit ihre qualifikation geprueft nachgewiesen haben,ohne wenn und aber an wetbewerben
zu beteiligen.weitere einschraenkungen halte ich fuer diskriminierung.
es liegt dann an dem einzelnen architekten ob er sich der bis zur selbstaufgabe
fordernden leistung eines wettbewerbes stellt. es darf bei der verwendung von steuergeldern
immmer nur um transparente, offene verfahren gehen, der gerade bei bauanlagen, die fuer
die allgemeinheit bestimmt sind,die in ihrer zeit aus einem grossen spektrum von
moeglichkeiten als die beste erkannt wurde.
ich bin nicht der meinung, dass in diesem fall auslober sich nach "gutsherrenart"
verhalten duerfen..... ihre handlungsweise unterliegt einer objektivitaet, die in keiner
weise eingeschraenkt werden darf.
und hier sind die kammerorganisierten architekten gefragt: vertritt die kammer ihre
interessen in diesem sinne? aktivieren sich die mitglieder so, das die von andreas rauterberg
genannten skandale im sinne einer loyalitaet verboten werden koennen?
die, die meinen sie seien hier durch teilnahme an ungesetzlichen "schmmuddelverfahren"
die von steuerverwaltenden einrichtungen veranstalten werden etwas naeher an den
"fleischtoepfen" sind von kammern und aufsichtsbehoerden... sowohl als teilnehmer als auch
als auslober mit entsprechenden sanktionen zu belegen. so sollte es sein....
ist es so?
wulf schmiedeknecht




Andreas Rauterberg schrieb

@ Prof. Schmiedeknecht

"den kommentar von andreas rauterberg moechte ich etwas einschraenken.
sobald anlagen enntwickelt werden die mit steuergeldern finanziert werden
besteht m.e. ein anspruch auf den offenen wettbewerb."

Tut mir leid, aber ein solcher Anspruch besteht definitiv nicht sondern ist - nachvollziehbares - Wunschdenken der Teilnehmerseite, das m. E. aber niemals in einen Anspruch wird umgesetzt werden können.

Andreas Rauterberg

Salomon Schindler schrieb

Ich stimme Herrn Rauterberg in den wesentlichen Punkten zu, insbesondere in der Hinsicht, dass sich auch freie Architekten hin und wieder in die Lage der Auslober und der öffentlichen Bauverwaltung hineinversetzen sollten. Trotzdem unterstütze ich die Initiative. Es muss meines Erachtens ein übergeordnetes Interesse der öffentlichen Bauverwaltung sein, den beruflichen Nachwuchs zu fördern und damit Innovationspotentiale zu heben. Immerhin gehört die Förderung der Kreativwirtschaft zur offiziellen Politik der Senatsverwaltung Berlin. Es kann ja nicht sein, dass ein feststehender Pool von vielleicht 20-30 erfahrenen Büros die öffentlichen Bauaufgaben der Stadt Berlin unter sich aufteilt. In diesen Pool aufgenommen zu werden ist unmöglich, wenn man nicht schon für einen öffentlichen Auftraggeber ein passendes Referenzobjekt gebaut hat. Dies mag für eine personell und finanziell ausgedünnte öffentliche Verwaltung der bequemste Weg sein, führt aber mittelfristig zu einem Verkümmern der örtlichen Architekturszene. Ich plädiere daher dafür, im Sinne der Förderung des Nachwuchses und architektonischer Innovation gerade für kleinere Projekte, also Kitas, Bibliotheken, Schulen, Sporthallen etc. offene Wettbewerbe durchzuführen. Dies sind Projekte, die sich vom Schwierigkeitsgrad und der Größenordnung für junge, noch weniger erfahrene Büros eignen. Solche Wettbewerbe, einphasig und auf die wirklich notwendigen Anforderungen beschränkt, wären auch mit durchaus angemessenem Aufwand durchzuführen. Gerade der Berliner Senatsbaudirektorin müsste dies wissen: In der Schweiz ist eine solche Kultur der wirklich offenen Wettbewerbe gut etabliert. Bei Teilnehmerzahlen von 30 – 70 Teilnehmern bei kleineren, weniger renommierten Bauvorhaben, sind die Verfahrenskosten überschaubar.
Dies setzt natürlich voraus, dass die Bauverwaltung finanziell und personell in der Lage ist, solche Verfahren durchzuführen und eher unerfahrene Büros im weiteren Planungsprozess zu betreuen. Vor allem aber braucht es den politischen Willen dazu. Ich rege daher an, dass die Initianten mit ihrem Anliegen direkt an die Spitzenkandidaten und Parteien für die Wahlen im Herbst herantreten und eine Stellungnahme einfordern. Nicht dass ich mir einbilde, dieses Thema würde die Wahlen entscheiden. Aber ich glaube, man kommt hier nur auf der politischen Ebene weiter, und vor den Wahlen ist der beste Zeitpunkt dafür.

Wolfgang Chmiel, Braunschweig schrieb

Dies sollten Sie wissen: Herr Andeaes Rauterberg ist in der Architektenkammer Niedersachsen hauptamtlich zuständig für das Wettbewerbswesen.

henning schrieb

aufreger in der werbebranche, bei architekten die normaltität:

http://www.wuv.de/nachrichten/agenturen/wissen_sie_was_das_mache_ich_nicht_mit_achtung_agenturchef_steigt_via_youtube_video_aus_pitch_aus

Bernhard Witte, Architekt, Fulda schrieb

Die Sachlage ist bundesweit die gleiche. Die durch die VOF-Verfahren eigentlich gewollte Schaffung von Wettbewerb und Transparenz ist zu der bekannten Marktbeschränkung auf eine geringe Anzahl großer, resp. spezialisierter Büros - also zu einer erheblichen Wettbewerbsverzerrung geworden. Daher ist diese Initiative ausdrücklich zu begrüßen. Es stellt sich die Frage wie die Initiative ausgeweitet und vernetzt werden kann sodaß hier auch unsere, uns vertretenden, Kammern diese entsprechend unterstützen. Es wäre begrüßenswert wenn diese Initiative die Bundeskammern und Landeskammern der Architekten und auch der Ingenieure zur Teilnahme einladen könnte und hier entsprechend über die Resonanzen berichten würde - denn nur gemeinsam sind wir stark genug hier entsprechend für die Lobbyarbeit in den politischen Ebenen den nötigen "Druck" aufzubauen. Einen herzlichen Dank für Ihre Initiative.

Linsenhoff schrieb

viele Ideen gehen verloren, weil lediglich die eingefahrenen Hasen und Häsinnen mit den oft ähnlichen Gedanken arbeiten. Was zu großen Aufträgen führte muss nicht immer gut gewesen sein. Auch wenn der Beitrag von guten Stammtischen und entsprechenden Netzwerken zumindest geschmacksneutral sein dürfte.

Da ich den Aufruf unterschrieben habe, hätte ich auch nichts gegen eine Aufführung in der Liste.

schönen Gruss Wolfgang Linsenhoff

blaklydoulley schrieb

Notwendigkeit zu uberprufen:)

Friedemann Backe schrieb

Mehr offene Wettbewerbe und Verfahren wie beispielsweise in unseren Nachbarländern Schweiz und Österreich würden auch hierzulande wirkliche BauKULTUR und Wettbewerb fördern. Wie wäre es, wenn die Kostengruppen 300 + 400 unter 3 Millionen liegen, grundsätzlich einen offenen Wettbewerb / ein offenes Verfahren vorzuschreiben? Dann gäbe es auch kein Problem der Verteilung, des "Overcrowdings" eines Wettbewerbes durch zu viele Teilnehmer mehr. Gleichzeitig würde ein riesiger, bisher leider ungenutzter (weil nicht zugelassener) Kreativ-Pool erschlossen!
Ansonsten schwimmen wir bald im Einheitsbrei der immer gleichen Architektur aus den immer gleichen Architekturfabriken...

Hubert Schmidtler schrieb

Wie soll Erfahrung in der speziellen Aufgabe erworben werden,
wenn die Voraussetzung zum Zugang zu diesen Erfahrungen die Erfahrung selbst ist?

Wenn die VOB alle Jahre geändert wird, können wir die VOF auch ändern.
Sollten wir auch. Und zwar kreativ.

Bernhard Breitenhuber schrieb

Kann mir bitte jemand der Befürworter von Bewerbungsverfahren sagen, ab welcher Büroumsatzhöhe und mit welcher Hard- + Softwareausstattung eine hohe architektonische Entwurfs- und Bauausführungsqualität garantiert ist?
Früher hat auch keiner gefragt, ob wir die noch wenigstens regional offenen Wettbewerbe mit Rotring oder Staedtler-Rapidographen zeichnen ...

DIE INITIATIVE MUSS UNBEDINGT BUNDESWEIT AUSGEDEHNT WERDEN!
Die Wettbewerbsverzerrung findet nicht nur in Berlin statt.

Zurück zu den Wurzeln: Offene, zweistufige Wettbewerbe (1/500 + 1/200)

Bernd Wandsleb schrieb

Wir begrüßen die Initiative sehr. Toll, dass sich endlich jemand ernsthaft mit diesem Thema auseinandersetzt. In den letzten Jahren hat man von offizieller Seite (leider auch von den Vertretern unserer berufsständischen Kammern) zum Thema meist nur Lippenbekenntnisse gehört. Zum Besseren geändert hat sich nichts. Eher im Gegenteil.
Sollen die Bürostrukturen unseres Berufsstandes erhalten bleiben, muss die Anzahl der durchgeführten offenen Wettbewerbe sehr deutlich steigen.
Der einzige Ausweg aus dem gegenwärtigen und oben bereits vielbeschriebenem Dilemma des (Architektur-)Wettbewerbswesens in Deutschland ist für mich die Rückkehr zur regionalen Begrenzung des Teilnehmerfeldes bei Architekturwettbewerben. Die Anzahl der stattfindenden Wettbewerbe könnte sich dann wieder deutlich erhöhen, die Teilnehmerfelder pro Wettbewerb würden wieder überschaubar und auch für die Auslober wären offene Wettbewerbe plötzlich wieder attraktiv. Solange dies nicht möglich ist wird sich an der jetzigen verfahrenen Situation des Wettbewerbswesens nichts Wesentliches ändern lassen.
Regional begrenzte Architektenwettbewerbe waren über Jahrzehnte in der Bundesrepublik das gängige Mittel der Aquise für kleine und mittlere Büros und ein ganz wesentlicher Bestandteil der Durchsetzung der hohen Baukultur im Land. Seit der Einführung der unseligen EU-Dienstleistungsrichtlinie liegt das Wettbewerbswesen in D am Boden. Offene Verfahren finden kaum noch statt. Bei den wenigen offenen Verfahren sind die Teilnehmerzahlen so hoch, dass damit die Auslober zwangsläufig überfordert sind. Auch die Baukultur unseres Landes leidet darunter spürbar und zunehmend.

Die VOF ist dagegen nur ein Auftragsbeschaffungsinstrument für große Büros, da die Auftraggeber zumindest bei der Vorauswahl der Bewerber nur auf scheinbar objektive, das bedeutet in der Regel auf quantitative Kriterien zurückgreifen.

M.O.Feick, Frankfurt + Hamburg schrieb

Viel Glück!!
Als Ruheständler, freue ich mich sehr, dass Sie aufmüpfig geworden sind.
Auch die Kommentare kann ich in vielen Punkten nachvollziehen.
Außer dem von Herrn Rautenberg. Darin drücken sich überdeutlich die
Verkrustungen in den Architektenkammern aus. Blos keine Änderungen des Systems!
Ach die armen "Auslober".
alle haben sie eigentlich nur Angst vor einer zu großen Teilnehmerzahl.
Dabei konnte man im DAB 7/04 in einem gut gemachten Artikel von K.Kümmerle nachlesen, dass es durchaus mutmachende Wege gibt für freie und offene Wettbewerbe.
Oder geben könnte.
Ich war acht Jahre -aufgrund eines Wettbewerb-Erfolges mit einem dänsichen Studienfreund- in Skandinavien (DK und F) tätig.
Dort gibt es solche Beschränkungen nicht.
Und die "Baukultur" ist dort selbstverständlich und muß nicht erst mit Zwangebeiträgen von jedem Architekten bürokratisiert werden.
Aber das Gespräch mit Herrn Ostendorf, jedenfalls den Teil, der im
DAB steht, hat mich regelrecht erschrocken.
Aber wundern darf man sich nicht, auch wenn man vielleicht so nicht denke soll:
In dem Foto auf Seite 36 zeigt sich schon alleine in Körperhaltung und Mimik so viel Arroganz (Arroganz der Macht) und eine Abwehrhaltung, dass man wiederum die Hartnäckigkeit von Frau Töpfer und Herrn Mackenrodt, doch unterstützen muß.
Leider wird nicht nur aus der Berliner A-Kammer, sondern auch aus den übrigen Landeskammern und auch der Bundes-A-Kammer wenig Unterstützung kommen.
Nach vierzig Berufsjahren, davon zweiunddreissig selbsständig, bin ich sehr pessimistisch, was das "Kammer-(Un-)wesen" betrifft.
Trotzdenm denke ich über Möglichkeiten nach, die Jungen zu unterstützen.

Thomas Meyer, KM architekten bda, Ahnatal schrieb

als Architekt aus Kassel kenne ich zwar nur bedingt die Berliner Vergabepraxis, stelle jedoch Parallelen zu der Vergabepraxis anderer Auslober fest.
Bezieht man die öffentlichen Vergaben unterhalb der Schwellenwerte mit ein, so muß man feststellen, dass der offene Wettbewerb vollständig marginalisiert und somit bedeutungslos ist. Der Anteil am gesamten Volumen öffentlicher Vergaben liegt im Promillebereich.
Daher ist im Sinne der europäischen Dienstleistungsrichtlinie nicht nur ein Augenmerk auf Vergabeverfahren oberhalb des aktuell gültigen Schwellenwertes von 193. 000,- € zu richten, sondern insbesondere die Vergaben unterschwelliger Projekte sind transparent und gerecht zu gestalten. Gerade hier liegt ein großes Potential für kleinere Büros und Berufseinsteiger.
Abschließend möchte ich die Initiatoren der Wettbewerbsinitiative Berlin anregen, sich mit anderen gleichgesinnten Architekten außerhalb Berlins zusammenzuschließen und die Initiative auf das gesamte Bundesgebiet auszuweiten.
Wir stehen für eine weitere Vernetzung zur Verfügung.

Günter Bestfleisch schrieb

Sehr geehrte Damen und Herren,
die Wettbewerbspraxis für Architekturwettberbe von öffentlichen Auftraggebern stellt den Sachverhalt einer Benachteiligung der Architekten dar. Die Vertreter der öffentlichen Hand wollen möglichst früh Kenntnis und Einfluss auf die Auswahl der Architekten erhalten. "Wir wollen vorher wissen, mit wem wir es zu tun haben" teilte mir der Leiter eines Eigenbetriebs mit, der dann auch den Ablauf der Preisgerichtssitzung und des Vergabeverfahrens eines Wettbewerbs gezielt steuerte, an dem ich als Fachpreisrichter teilgenommen habe.). Dabei bedienen sich die Auftraggeber oft Projektsteuerungsbüros, die dann auf Wunsch des Auftraggebers die Anforderungen gezielt so hoch hängen, dass nur ein sehr begrenzter Kreis für die Auswahl in Frage kommt. Besonders bedenklich ist, dass der Wettbewerbsausschuss der Architektenkammer solche Verfahren kritiklos hinnimmt. Es ist höchste Zeit, dass sich die Architekten wehren und ein offenes Vergabeverfahren entsprechend dem Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen ( Diskriminierungsverbot, Transparenzgebot ) fordern. Gerne bin ich bereit, Sie bei Ihrer Initiative mit meinem Namen und mit persönlichem Einsatz zu unterstützen.

Dipl.-Ing. Architektin A. Marquardt schrieb

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,
trotz vorgeschaltetem VOF Verfahren erlebe ich zur Zeit in der Praxis, wie schwer sich eine Zusammenarbeit mit "unerfahrenen Büros" darstellt.
Die Grundlagen der VOB/A ist den Planern genauso unbekannt, wie die BHO oder die RBBau. Was eine genehmigte Kostenobergrenze ist, scheint den Mitarbeitern auch nicht klar zu sein. Fakt ist: Bauzeitverzögerung, deutliche Mehrkosten, Verfahren vor der Vergabekammer etc. Bauen für die Öffentlichkeit heisst auch, bauen mit deutschen Steuergeldern.Die Anforderungen für die Auswahl eines Architekten können nicht hoch genug bewertet werden!

Prof . Wulf schmiedeknecht schrieb

Frau marquardt ist die frage zu stellen:
Wo hat sie ihr fehlerloses arbeiten erlernt?
Wieviel Jahre brauchte sie, um in diesem Dickicht
Der Staatsverwaltungen sich...wie sie das "goettlich"
Fuer sich behauptet.. Zurechtzufinden?
Das ist die stimme, die nur noch den routinierten
Abwickler im Labyrinth einer bürokratischen ueberorganisation
Sehen will... Architektur kommt dabei selten heraus!
Und das ist es, was die Initiative will....oeffnung für das
Beste Konzept ... Das sind keine Paragraphen sondern
Gebäude , Anlagen, und Organisationen, die eine
Reflexion der Kultur darstellen!
Sehr geehrte frau marquardt, steigen sie herab von
Ihrem Olymp und betrachten sie ihren Beginn, der
Nach (wievielen)Fehlern sie zu ihrer Betrachtung,
Die mit dem offenen Wettbewerb N I C H T S zu
Tun hat, brachte.



Peter Lustig schrieb

Das Urproblem geht hier aber niemand an.
Es gibt einfach zuviele Architekturbueros bei viel zuwenig Auftraegen. Die Flucht und die Hoffnung auf ein Projekt durch einen Wettbewerbsgewinn zeigt deutlich das niemand sehen will was man aber sehen muss. Es braucht uns niemand.
Baukultur, gute Architektur, das alles interessiert nur uns!
Fuer die Menschen ist Architektur nur ein Gebaeude, fuer viel Auslober und Bauherren ein projekt und Produkt.
Man muss doch als Dienstleister, (und das sind wir) zuerst einmal seine Kundschaft verstehen wollen.
Da hat der Herr Rauterberg recht. Fuer die Auslober geht es um Geld, es geht drum Katastrophen und Pfusch am Bau zu verhindern. Niemand hat Lust den Ausbilder zu spielen. Das gilt fuer die kleine Schule in der Kleinstadt wie fuers grosse Krankenhaus in der Grossstadt. Bei der Beauftragung von Bauleistungen empfehlen wir auch nur Firmen die Erfahrung haben, mit denen es gut gelaufen ist gelle?
Die drei grossen A,s: Aerzte, Anwaelte und Architekten sie alle haben ihre Kammern. Aber Aerzte und Anwaelte sind spezialisiert. Facharzt fuer dies, Fachanwalt fuer das.
Die Mehrheit der Architekten will alles koennen und das kann man einem Auslober nicht vermitteln, schon garnicht wenn von Planung bis Schluesseluebergabe 5-10 Jahre vergehen.
Richtig ist das man einfach nicht zu billig anbieten darf, die tolle HOAI mit ihrem ""von bis" spalten und zahlen. Die ist unter anderem daran Schuld am Ruf der Architekten, die einem goldene Badewannen einbauen damit sie Geld verdienen.
Solange man Bauherren gratis Entwurfe macht mit der Hoffnung auf die Werksplanung, solange dieses durch Gratisarbeit der Absolventen und Prakitkanten gefoerdert wird, solange darf sich die Architektenzunft auch selbst auf die Schulterklopfen.
Dem Zahnarzt fragt man auch nach ner kostenlosen Probefuellung oder? Warum also beim Architekten? Unter anderem auch weil wir das Produkt so Kunstmaessig vermarkten! Das wirkt auf den Normalbuerger wie Hobbyarbeit: ""das kann der ja mal fix zeichnen da""

Zurueck zum WB, seht es ein, Wettbewerbe werden die Zunft nicht retten, welchem Auslober will 500 Teilnehmer zumuten? und mit Lostopf...In keinem Beruf der Welt macht jemand eien Firma auf und vertraut seine Zukunft dem Losglueck an!

J.Burger, Architekt Schweiz schrieb

Geschätzte Kolleginnen und Kollegen

Ich gratuliere zu Ihrer arbeit für eine freie Architekturkultur, jenseits von Investorendruck und Entwurfsmonopolismus. In der deutschsprachigen Schweiz beobachten wir ähnliche Tendenzen, wobei die Zahl der offenen Wettbewerbe auf unter 10 Prozent gesunken ist. Zugang zu den interessanten Projekten gibt es nur noch mit Einladung oder durch Präqualifikation nach Referenzen. Sozusagen als Entschuldigung werden jeweils 10% Büros berücksichtigt, welche keine realisierten Referenzen auf dem Gebiet des Wettbewerbs vorzuweisen haben. Die Anforderungen wachsen stetig und die Verfahren dauern bereits 4 bis 6 Monate im Schnitt. In Anbetracht des nach wie vor sehr grossen Bauvolumens in der Schweiz müssten die Prozesse partizipativer gestaltet werden, auch auf Skizzenbasis möglich. Die französische Schweiz orientiert sich offenbar mehr am Nachbarland. Kurze offene Verfahren ohne grosse Hindernisse, abgesehen von der natürlichen Sprachbarriere. Aber wenn es hierzulande heisst "rien ne va plus" müssen wir halt umdenken!

Prof. Wulf Schmiedeknecht schrieb

stellungnahme zu peter lustigs kommentar architektenwettbewerbe.

1. generell: peter lustig scheint die absicht der wettbewerbsinitiative nicht verstanden zu haben. er vermischt die praktische arbeit, von der er wenig zu verstehen scheint, mit der kulturellen pflicht einer gesellschaft zu einer erträglichen städtebaulichen und gestalterisch hochwertigen umwelt.

2. von peter lustig verwendete schlagworte, die im zusammenhang mit der absicht der wettbewerbsinitiative nichts zu tun haben:

2.1 zuviele architekten, es braucht uns niemand. dieses statement: es braucht uns niemand, drückt den unkulturellen gedanken des gesamtkomentars aus. ohne gestalterisch ausgebildete architekten verkommt das bauen von städten und anlagen zur kultur banalität, die die gesellschaft krank macht!!!!!

2.2 baukultur und gute architektur nur in unserem interesse? der gesamtzusammenhang in der gesellschaft wird hier von peter lustig völlig verkannt. siehe 2.1

2.3 die menschen wollen nur gebäude, die auslober nur produkte??? wenn man als verantwortlicher, 3 dimensional denkender mensch sich dieser meinung anschliesst, muss man sich nicht wundern, wenn alltagserkrankung infolge einer kaputt gestalteten gebäude und stadtlandschaft um sich greift.

2.4 architekten sind dienstleister, die ihre kunden verstehen müssen. dazu sind wettbewerbe, die nach der besten lösung suchen zunächst erforderlich. einen kunden, der ausschliesslich im kosten-nutzen-denken zuhause ist, wird seinen höchsten nutzen dann erzielen, wenn seine anlage auch als städtebaulich eingebundene architektur als teil des nutzens sich präsentiert.

2.5 auslober will nur geld ausgeben, wenn katastrophen sicher vermieden sind!!! hat er das bei einer auswahl von kollegen, die immer in routine alles richtig machten? gerade dann, wenn ein wettbewerb einen teilnehmer aus einer vielzahl von kammermitgliedern als besten entwurf mit der ausführung weiterer planungen beauftragt, ist die sicherheit für den bauherren genau so gross, wie bei den....A C H ...so routinierten.... der mehrwert besteht dabei in einem überdurchschnittlichen gestalterischen und funktionalen gebäudeentwurf. auch routiniers bleibt die katastrophe nicht erspart!!!!!

2.6 nur ausgewählte firmen kommen zum zuge! der öffentliche auftraggeber ist verpflichtet, die vergabegesetze einzuhalten. ich möchte den auftraggeber sehen, der nach einer öffentlichen ausschreibung mit durchgeführter submission den mindesbietenden wegen vemuteter unfähigkeit von der beauftragung ausschliesst. und ein architekt, der das tut, gefährdet seine existenz....

2.7 H O A I
peter lustig behauptet hier etwas mit der badewanne, was er bei irgendwelchen stammtischbiergesprächen mitkriegte.... die wirklichkeit sieht ganz anders aus…
V O F verfahren und H O A I gebührendrückereien sind das alltagsproblem der architekten.

2.8 zahnarzt.... keine kostenlose zahnplombe. hier hat peter lustig die wettbewerbsszene, die es über 100 jahre im berufsbild der architekten gibt, nicht verstanden. architekten, stadt-und landschaftsplaner sind bei teilnahmen an wettbewerben kostenlos für den auftraggeber tätig. dazu gehört der idealismus, der architekten gegenüber anderen freiberuflern auszeichnet - zugunsten einer erträglich gestalteten umwelt, die ihren mehrwert durch aufenthaltsqualität bezieht. und dafür lohnt es sich, für die offenheit des wettbewerbswesens zu streiten.!!!!!

2.9 500 entwürfe...eine zumutung? um der aufgabe nach einer würdevoll gestalteten umwelt gerecht zu werden, darf für die gesellschaft auch diese vielzahl keine verhinderung zu einer öffnung des wettbewerbswesens sein. und das würde überhaupt nicht die zahl sein, wenn alle, aber auch wirklich alle wettbewerbe, die der staat, land und kommune ausschreibt, für alle architekten die kammereingetragen sind, zugänglich sind.

3.0 P E T E R L U S T I G scheint mir von der absicht der wettbewerbsinitiative
keine kenntnis zu haben. er zeigt mit seinen statements das er in der sache
V O E L L I G überfordert ist und von dem beruf der architekten, stadt- und landschaftsplanern, die sich ideell in wettbewerben herausfordern, wenig kenntnisse hat. er bezieht anscheinend seine meinung aus bierseligen stammtischgesprächen, die mit dem anliegen der wettbewerbsinitiative nichts, aber auch garnichts zu tun haben.

prof.wulf schmiedeknecht, architekt & stadtplaner bda


U. Gümbel schrieb

Natürlich: Offene Wettbewerbe für alle Architekturbüros! Offensichtlich ist keinem bauwilligen Auslober klar, dass er für ein relativ geringes Honorar ein bestes Ergebnis bekommt. Vergleichbare Verfahren, in denen ein Auftraggeber aus einem Füllhorn mit Ergebnisse auswählen kann gibt es sonst nur bei Ebay! Die Sorge der Auslober vor übermäßigem Aufwand bei der Vorprüfung und der Prämierung, vor unbekannten Namen, vor nicht leistungsfähigen Büros, u.s.w. wird sich bei völlig offenen Verfahren sehr schnell legen. Einmal will sich nicht jedes Büro an Wettbewerben beteiligen und andererseits können sich nur verhältnismäßig wenige den mittlerweile enormen Aufwand einer Wettbewerbsbeteiligung und -präsentation leisten.

Ulrich Kuhlendahl schrieb

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

was das Wettbewerbswesen angeht, scheinen viele Kollegen nicht alleine auf die Arbeit der Architekten - Kammern vertrauen zu wollen. Vielleicht können die Kammern mit dieser Berliner Initiative zusammenarbeiten, um gemeinsam gegen die ärgerlichen Beschränkungen bei der Zulassung zu Wettbewerben vorzugehen, die nicht nur in Berlin ein Problem sind.
Auf jeden Fall sind meiner Meinung nach noch stärkere Initiativen seitens der Kammern notwendig. Letztlich hat die in der BRD entwickelte Interpretation der europäischen Vergaberichtlinien, die europaweit nationale Zugangsbeschränkungen zum Markt beseitigen sollten, dazu geführt, dass in Deutschland der Zugang zu Wettbewerben deutlich eingeschränkt werden konnte. Die öffentlichen Auftraggeber, die 99% aller Wettbewerbe veranstalten, haben die VOF in einer Mischung aus Hilflosigkeit und Freude benutzt, um die in Ihren Augen problematischen Wettbewerbsteilnehmer auszuschließen. Die Überlegung, nicht nur politisch Einfluss zu nehmen (Was seitens der BAK mit Nachdruck versucht wird), sondern die Umsetzung der europäischen Richtlinie in deutsche Vergabepraxis juristisch prüfen zu lassen, hat etwas für sich.

Reinhard Paul Groszmann schrieb

Vorauswahl ja, aber nur über Ideenskizzen in offenen Verfahren. Der Erstaufwand muss total minimiert werden, weil sonst die Diskriminierung kleiner Büros nicht gemindert wird. Die 20 interessantesten Ideen aussuchen, im zweiten Verfahrensteil gegen angemessene Honorierung ausarbeiten lassen und dann entscheiden.

Als Inhaber eines kleinen Büros kann ich die zur Zeit üblichen Kosten von 10 - 15.000 Euro je Wettberwerb nicht unterbringen. Es wird ein Umfang an Leistungen verlangt, der üblicherweise erst mit Leistungsphase 3 erarbeitet wird.

Grusz aus Berlin

Klaus Peter Müller schrieb

Die Einschränkung der Wettbewerbsfreiheit geht einher mit der seit Jahren immer stärker werden Einschränkung aller Freiheiten. Bals haben wir wieder Sozialismus?
Ein großen Beitrag an dieser Entwicklung haben die Kammern, deren Verwaltungsmitarbeiter nur auf Besitzstandswahrung orientiert sind. Dabei wird bei jeder Gelegenheit bekundet, dass die Kammern die "wahren" Vertreter der Architektenschaft sind. Damit kann man sich als dortiger Mitarbeiter gerne in der Öffentlichkeit, bei Verbänden und Ministerien präsentieren. Wettbewerbe werden bei den Kammern registriert. Wettbewerbe werden von den Kammern personell unterstützt. Wettbewerbe werden von den Kammern ausgelobt. Die Kammern sind aber schon lange nicht mehr die Vertreter der Architektenschaft. Die Wettbewerbsfreiheit wird heute vor allem durch die Kammern eingeschränkt. Die Klärung von Problemen zwischen Kammermitgliedern wird nicht unterstützt (es bleibt nur das Zivilrecht), die Rechte der Kammermitglieder eingeschränkt (Nichtdurchführung von kammerinternen Verfahren), Einrichtung von Spezialisierungs-Fachbereichen (als reine Beschäftigungstheraphie der Mitarbeiter), keine rechtliche Auseinandersetzung bei ersichtlichen Wettbewerbsbetrügern, keine rechtlichen Maßnahmen bei Vergabeverstößen, die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Die Kammern arbeiten nur noch an Bunten Bildern für Präsentationen, an sinnlosen Diskussionsforen, Eigenpromotion - bezahlt von den Architekten. Es wird nur noch die Architekturindustrie unterstützt. Keine Chance für kleine Büros.
In diesem Atemzug muss auch die Frage gestellt, was eigentlich die gewählten Kollegen Architektenvertreter machen, die sich ja allzugerne mit ihrer Kammerarbeit profilieren?
Ihrer Initiative über die EU wünsche ich viel Erfolg. Aus meiner Sicht bedarf es einer Refomierung der Kammerarbeit, so dass die gezahlten Beiträge für die tatsächliche Interessenvertretung der Architekten genutzt werden. Das ist sicherlich der beschwerlichere Weg, auch geprägt durch eine persönliche Auseinandersetzung in einer Basisarbeit.

Prof. Bert Bauer schrieb

Sehr geehrter Kollege Wulf Schmiedeknecht, über den Beitrag von Peter Lustig kann man sicherlich diskutieren, aber bitte nicht in dieser Art. Herr Lustig schildert Probleme, die es reell gibt und die ihren Anteil an der Misere haben. Diese Probleme wird die EU nicht lösen.
Seien wir doch ein mal ehrlich. Wir Architekten sind doch Teil des Problems. In wie vielen Wettbewerben werden Beiträge eingereicht, die das geforderte Niveau nicht erfüllen? Wie viele Wettbewerbe und Vergabeverfahren werden nur der Form halber durchgeführt und es steht bereits ein Kollege zur Beauftragung fest? In wie vielen Wettbewerben leisten Jury-Mitglieder ernsthafte Arbeit und wählen wirklich den besten Entwurf? Wie viele Architekten haben Probleme in der fachlichen Ausübung ihres Berufs?
Unsere Auftraggeber und auch der Rest der Gesellschaft sehen sich in den letzten Jahren mit Inkompetenz, Selbstüberschätzung, Arroganz, Kostenproblemen, Terminproblemen von uns konfrontiert. Es geht einem Teil der Kollegen nicht um Baukultur und andere schöne Wörter, sondern um Honorarmaximierung und Selbstdarstellung. Diese Kollegen braucht kein Bauherr. Ein anderer Teil von Kollegen, gerade junge Kollegen, die ihr Glück aufgrund fehlender Arbeitsplätze in der Selbstständigkeit suchen und vom Stararchitektensasein träumen, tragen dazu bei mit Honoraunterschreitungen und kostenfreier Arbeit für ein Bild zu sorgen, dass Architekten kostenfrei oder für Almosen arbeiten. Und auch da gebe ich dem Beitrag von Herrn Lustig recht, wenn er sagt, es gibt mehr Architekten als Arbeit vorhanden ist.

Stefan Bracht schrieb

Ich schließe mich einem Teil der Kommentare an. Auch für mich war das Wettbewerbswesen ein guter Einstieg in die berufliche Praxis, der es mir ermöglicht hat, in frühen Berufsjahren Teil einer lebendigen Baukultur zu sein, die von kreativen und ehrgeizigen Lösungen geprägt war, mit sehr gutem Erfolg in der Planung und Durchführung guter Architektur im öffentlichen Raum.

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